Monatsarchiv: Oktober 2010

Betriebsbedingte fristlose Kündigung!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Ministerinnen und Minister,

wir, das Volk als Souverän der demokratischen Bundesrepublik Deutschland, teilen Ihnen hiermit mit, dass wir Ihre Arbeitsverträge mit sofortiger Wirkung aufgrund betrieblicher, volkswirtschaftlicher und sozialer Gründe kündigen. Sie verlieren hiermit sämtliche Ansprüche aus diesen Arbeitsverträgen. Ebenfalls können wir für Ihre Pensionen, Diäten, steuerfreie Zuschläge und sonstige Leistungen nicht mehr aufkommen. Dies ist eine Notmaßnahme, da unser Unternehmen – der deutsche Staat – kurz vor der Insolvenz steht.

Leider haben Sie als Geschäftsführer_innen in den vergangenen Monaten die Finanzsituation desBetriebs „deutscher Staat“ über die Maßen strapaziert und verschärft, z. B. indem Sie unsinnige Geldzuwendungen an marode, angeblich „systemrelevante“ Subunternehmen wie die Hypo Real Estate Bank, fließen ließen.

  • Sie haben die Arbeitsplatzsituation verschärft, dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen in 400 € Jobs arbeiten müssen, oder nur befristet beschäftigt sind.
  • Sie haben es nicht geschafft, die Finanzen so einzuteilen, dass für die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen genug Geld zur Verfügung steht.
  • Sie haben die gesetzlichen Krankenversicherung zu einer Armutsfalle gemacht, Sie haben der Pharmaindustrie – als einer starken Lobby – sowie auch den Apothekern reichliche Geldgeschenke gemacht.
  • Sie haben der Hotellerie Geldgeschenke gemacht.
  • Sie haben der Atomwirtschaft Geldgeschenke gemacht.
  • Sie haben den Banken Geldgeschenke gemacht und Rechtsvorteile verschafft, ohne auch nur im geringsten dafür zu sorgen, dass neuerliche Finanzjonglagen nicht stattfinden können.
  • Sie haben keine Finanztransaktionssteuer eingeführt.
  • Sie wollten (und wollen noch immer) die Vorratsdatenspeicherung, die zahlreichen Gesetzen widerspricht.
  • Sie wollten (und wollen noch immer) die Einführung von Ganzkörperscannern, obwohl sie die Sicherheit nicht verbessern.
  • Sie haben ein sog. „Sparpaket“ gepackt, dessen Folgen unsere Kinder noch tragen dürfen.
  • Sie haben das soziale Klima in unserem Betrieb „deutscher Staat“ durch Ihre Äußerungen zum Thema „spätrömische Dekadenz“ vergiftet.

Diese Aufzählung ist unvollständig. Eine vollständige Aufzählung würde jedoch den Rahmen dieses Kündigungsschreibens sprengen. All dies haben Sie ohne Zustimmung des Arbeitgebers, des Volkes, getan, obwohl Ihr Arbeitsvertrag Ihnen ausdrücklich vorschreibt,

Ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm abzuwenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes zu wahren und zu verteidigen, Ihre Pflichten gewissenhaft zu erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben. (Amtseid der Minister_innen)

Da das Bundesverfassungsgericht eindeutig festgestellt hat, dass die

„Freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Art. 21 II GG“ eine Ordnung ist, die  – unter Ausschluss jeglicher Gewalt und Willkürherrschaft – eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt (folgt was?). Den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung sind mindestens zuzurechnen: die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouveränität, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, die Unabhängigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition.“ (BundesVerfG 1952)

bleibt uns leider nichts anderes übrig, als unsere Volkssouveränität auszuüben, die Willkürherrschaft zu beenden und Sie als gewählte Geschäftsführer_innen für die Nichterfüllung Ihrer Pflichten zur Rechenschaft zu ziehen. Sie sind für unseren Betrieb untragbar.

Ab sofort werden wir, das deutsche Volk, die Geschäftsführung selbst übernehmen.

ppa. Das deutsche Volk Berlin, den 28.09.2010

Lizenz: Creative Commons, CC-BY-ND. Urheber: Piratenweib, www.piratenweib.de. Übernommen von Wir treten zurückwww.wir-treten-zurueck.de.

Robin Wood und Parkschützer pflanzen 50 neue Bäume

Von Parkschuetzer | 30.Oktober 2010

Auf dem am 1. Oktober illegal gerodeten Areal im Stuttgarter Schlossgarten haben Mitglieder von den Parkschützern und Robin Wood heute 50 junge Platanen, Eschen und Spitzahornbäume gepflanzt. Mit ihrer Aktion fordern Robin Wood und Parkschützer, dass die Arbeiten am Grundwassermanagement für das Bahn-Projekt Stuttgart 21 sofort eingestellt werden und das Gelände dem Park zurückgegeben wird. Durch die bis 2024 vorgesehene Grundwasserabsenkung um ca. zehn Meter sind die Bäume im gesamten Schlossgarten gefährdet. Der illegalen Baumfällung durch die Deutsche Bahn war am 30. September ein brutaler und rechtswidriger Polizeieinsatz gegen eine friedliche Demonstration vorausgegangen, der ‘Schwarze Donnerstag’. Auch heute demonstrierten wieder mehrere zehntausend Menschen gegen Stuttgart 21. Unter dem Motto „Kultur statt Größenwahn! Nein zu Stuttgart21“ forderten sie einen umfassenden und sofortigen Bau- und Vergabestopp für S 21.

„Das Großprojekt Stuttgart 21 fügt unserem Staat und unserer Gesellschaft enormen Schaden zu“,

sagt Landschaftsgärtner und Parkschützer Hansjörg Bärtschi

„Am 30. September wurde ein Staat jenseits unserer Rechtsordnung sichtbar: ein Staat, der illegale Baumfällungen deckt, der Grundrechte wie das Demonstrationsrecht opfert zugunsten von Partikularinteressen, ein Staat, der mit brutaler Gewalt gegen seine Bürger vorgeht. Die Arbeiten am Grundwassermanagement begannen mit  einem vorsätzlichen Verstoß gegen europäisches Recht und geltende Planfeststellungsbeschlüsse. Damit haben diese Arbeiten jegliche Legitimität verloren und müssen sofort gestoppt werden. Der Schaden, der durch die Fällung Jahrhunderte alter Bäume entstanden ist, ist nicht wieder gut zu machen. Das ist aber kein Grund, jetzt mit dem zerstörerischen Treiben fortzufahren. Wir pflanzen stattdessen neue Bäume und schließen damit die Wunde.“

Spätestens seit gestern ist bekannt, dass die Bahn trotz der laufenden Schlichtungsgespräche wie geplant weiter baut, dadurch Fakten schafft und sich an keinerlei Zusagen hält. Entgegen den Abmachungen im Vorfeld der Schlichtungsgespräche wurde in den vergangenen Tagen auf dem Gelände des Grundwassermanagements betoniert, zahlreiche Betonteile wurden angeliefert. Fast gleichzeitig musste die Bahn eingestehen, dass auch der erklärte Aufschub der Südflügelentkernung nicht eingehalten wurde. Von staatlicher Seite ist derzeit keine Ahndung der Rechtsverstöße rund um den 30. 9. erkennbar.

„Die Landesregierung hat aus dem Konflikt um Stuttgart 21 nichts gelernt. Sie bleibt bei ihrer sturen, arroganten Haltung und lässt zu, dass weiter Fakten geschaffen werden, die den laufenden Gesprächen und einer Konfliktlösung im Wege stehen“,

sagt Kei Andrews von Robin Wood.

„Es ist schön, wenn bei den Schlichtungsgesprächen noch einmal viele Argumente und fachliche Details für eine große Öffentlichkeit ausführlich debattiert werden. Aber was bringt das, wenn aus all dem Wissen und all den Erkenntnissen keine Konsequenzen gezogen werden?“

quelle: radio-utopie.de

Hier ist die Aufnahme der Wiederaufforstung:
http://www.ustream.tv/recorded/10527303

Die Aktion hat es sogar in die aktuelle Kamera (Tagesschau) geschafft:
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video798832.html

((((o))))——o00o–’(_)’–o00o——((((o))))
Alternative Medien –  net-news-global.denet-news-express.demmnews.de
((((o))))——o00o–’(_)’–o00o——((((o))))

✿ ◠‿◠ ✿

Schlichtung – Auf de schwäbsche Eisenbahne

Auf de schwäbsche Eisenbahne

S-21 Lösung in Sicht: Bindet Mappus an de hendere Wage na!

das Lied zu den Schlichtungsgesprächen: (vom SPIEGELFECHTER veröffentlicht und zur Verbreitung empfohlen!)

Auf de schwäbsche Eisenbahne
gibt´s gar viele Haltstatione,
Stuttgart, Ulm und Biberach,
Meckenbeuren, Durlesbach – Trulla, …

An manchen dieser Haltstationen
bräuchten wir ein paar Millionen
und dann hätte – ach juchhee! -
Markdorf bald auch ein W.C. – Trulla,…

Auf gar vielen schwäb´schen Strecken
trödeln Züge wie die Schnecken.
Droht die Bahn auch zu verrecken,
Geld fehlt hier an allen Ecken. – Trulla,…

Woll`n wir das Klima nicht riskieren,
müssen wir schlau investieren,
Nahverkehr gut ausgestalten
und in Durlesbach auch halten. – Trulla,…

Mit neuen Oberleitungstrassen
würd´ man den Anschluss nicht verpassen.
In Lindau, Ulm und auch in Singen
würd´ kein Diesel mehr erklingen. – Trulla,…

In Stuttgart wird viel Geld vergraben,
Nutzen wird das keinen haben,
höchstens für die Bauwirtschaft,
der Denkmalschutz wird abgeschafft. – Trulla,…

Milliarden wollen sie versenken,
den Schwaben gibt das schwer zu denken.
Hier bei uns bringt´s doch viel mehr
für den Eisenbahnverkehr.-Trulla,…

Ein Hauptbahnhof im Untergrund
ist alles and´re als gesund:
Acht Gleise nur noch an der Zahl
sind für die Zukunft echt fatal! – Trulla,…

“Es einundzwanzig” wird´s genannt,
doch wir finden´s hirnverbrannt,
viel zu teuer und zu doof
ist der Hauptstadt-U-Bahnhof. -Trulla,…

Neuerdings gilt generell
ein Kopfbahnhof als provinziell.
München, Rom und auch Paris
beweisen, dass das Schwachsinn is´! – Trulla,…

Der Widerstand wird plattgebügelt,
weggespritzt und weggeprügelt.
Tränengas und Pfefferspray
findet Mappus auch okay. – Trulla,…

Zum Schluss des Liedes die Moral:
Denkt dran, bei der nächsten Wahl
schieben wir mit Schwabenfleiß
den Mappus auf ein Abstellgleis! – Trulla,…

(Verfasser unbekannt, Weiterverbreitung erwünscht)

Wer das Original, gesungen von Willy Reichert, noch nicht kennt oder einmal wiederhören möchte,
ein Idyll, wertvoll wie der Juchtenkäfer, das Mappus und Grube zerstören wollen, des schnöden Mammons wegen: Auf de schwäbsche Eisebahne

© Spiegelfechter für den Spiegelfechter, 2010